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  verbetten [2]

Claudia Behling bespielt mit verbetten [2] die erhöhte Rasenfläche des Erlenmattparks im NT-Areal mit einer temporären Installation, die sich aus Aussagen der Anwohner/innen zu ihren Wohnträumen zusammensetzt, die sie ab dem 13. September in Interviews sammelt und die dann auf kleine Kärtchen gedruckt werden und mittels Objekten aus Aktenordnerrücken zu einem Beet gesteckt werden.

Beet: Das Wort wird im Schriftdeutschen erst seit dem 17. Jh. formal von "Bett" unterschieden, mit dem es ursprünglich identisch war: mhd. bette, ahd. betti bedeutet sowohl “Liegestatt” wie “Feld- und Gartenbeet”. In oberd. Mundarten gilt ‘Bett’ bis heute für “Beet”. Auch niederl. bed und engl. bed vereinen beide Bedeutungen. Der Vergleich des aufgelockerten, erhöhten Landstückes mit einem Polsterlager war Anlaß zu der Bedeutungsübertragung.
aus: DUDEN, Herkunftswörterbuch

Freiflächen sind in Basel (wie in vielen Städten) heiß umkämpfte Zonen für die verschiedensten Vorstellungen urbanen Lebens. Lucius Buckhardt, der erste Spaziergangswissenschaftler, schreibt über die in Basel 1987 besetzte Stadtgärtnerei (heute St. Johannspark). Die Schilderung der Geschichte durch die Stadtgärtnerei:

Nach dem Umzug der Stadtgärtnerei an ihr neues Domizil in Brüglingen Ende 1985 wurde der IGAS (Interessensgemeinschaft Alte Stadtgärtnerei) durch Entgegenkommen des Baudepartements das ehemalige Areal der Stadtgärtnerei zur befristeten Nutzung überlassen. Aus der wohlwollenden und vertraglich geregelten Überlassung einzelner Abbruchobjekte für gezielte kulturelle Zwischennutzungen entwickelte sich – aus der Sicht der Regierung – nach und nach ein Tummelplatz alternativer, meist jugendlicher Randgruppen, welche sich der staatlichen Kontrolle mehr und mehr entzogen und die das Areal schliesslich in eigenmächtiger Weise besetzten und bewirtschafteten. Da dieser illegal beanspruchte Freiraum nicht nur in Teilen der Bevölkerung, sondern besonders bei deren politischen Exponenten kontroverse Reaktionen auslöste, führte der mitunter von gewaltsamen Demonstrationen begleitete Meinungsstreit beinahe zu einer Regierungskrise, ganz sicher aber zu einer weiteren Verzögerung der Entstehung des Grünparks. Fast gleichzeitig mit dem Ablauf eines Ultimatums, das den Besetzern zur Räumung des Areals gestellt worden war, wurde am 31. August 1987 die Initiative «Kultur- und Naturpark im St. Johann» eingereicht. Diese forderte die Erhaltung aller auf dem Areal noch vorhandenen Abbruchbauten für «selbstbestimmte kulturelle Nutzungen» sowie die Erhaltung der naturnahen Restflächen. Es folgte ein von verschiedenen Komitees und politischen Organisationen heftig geführter Abstimmungskampf, bei dem die Gegner der Initiative eine Legalisierung der alternativen Aktivitäten der Arealbesetzer befürchteten. Bei der Volksabstimmung vom 8. Mai 1988 wurde die Initiative mit 26'291 Nein (56%) gegen 20'657 Ja vom Stimmvolk zwar verworfen, der Interessenkonflikt blieb jedoch unüberbrückbar. Die Arealbesetzer gaben «ihren» Freiraum nicht auf. In den frühen Morgenstunden des 21. Juni 1988 erfolgte die polizeiliche Räumung des Geländes der Alten Stadtgärtnerei. Unter Polizeischutz begannen unverzüglich die Abbrucharbeiten und damit das eigentliche Startsignal zur Realisierung des Grünparks.

Abb.: Fenstergestaltung mit Buchrücken in Basel



 

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Am Samstag, 24. September 2011 steht erneut das NT-Areal im Zentrum des Geschehens. Das erhöhte Gelände des Erlenmattparks fällt zum ersten realisierten Wohnblock hin ab und man gewinnt den Eindruck eines erhöht angelegten Beetes. Die verschiedenen Aufenthaltsbereiche des Parks sind zwischen den beiden entsprechenden Abteilungen der Stadtgärtnerei in Aktionsflächen für die kommunikative und sportliche Betätigung und naturbelassene Spontanvegetaion im Sinne eines Landschaftsschutzgebietes heiß umkämpft, wie wir bei einer ersten Begehung erfahren konnten. Im zweiten Teil der Aktion verbetten werden 50 Aufsteller mit bunten Aktenordnerrücken zu Beeten gruppiert. Das anwesende geladene wie das zufällige Publikum ist aufgerufen, Kommentare zur Landschaft aufzuschreiben und in die Rückenlaschen einzustecken. Aus der Aktion ergaben sich viele erhellende Gespräche über die Stadt Basel und den Druck, der von Investorenseite auf dem Stadtraum liegt ...



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Unterstützt wird die Fantasie wie schon im ersten Teil der Aktion durch die Claude-Gläser. Einige der Aktenordnerrücken sind mit Streifen kopierter Landschaftsbilder von Claude Lorrain bestückt. Durch den richtigen Blickwinkel können sie wieder zusammen gesehen werden. Interessant erscheint, dass selbst die Ausschnitte noch die "klassische" Sichtweise bewahren können ...

Abb.: Carambolage Sommer- residenz im Erlenmattpark 2011. Im Hintergrund links die ehe- malige Kantine der Bahn, die unter dem Namen Erlkönig erhalten bleibt. Die Stadtgärtnerei hat jüngst die Vergabe einer neuen Schanklizenz ausge- schrieben für die allerdings in Erwartung des zukünftigen Baulärms und der zu erwartenden Klientel nur zwei Bewerbungen eingegangen sind ...

 


Eine Veranstaltung von Kaskadenkondensator (Basel, CH) in Kooperation mit KiöR e.V. (Hamburg, DE) und Künstler_innen aus der Schweiz