{...}*



Die Nacht
Das Flüstern

Aktionen & Dokumentationen

Open WorkSpace
Statueskes
Posing-Workshop
leicht eingefußt
verbetten [1]
Tod durch Poesie
Create and Forget
L´aliment
zwischendecken
Max & Bruce : minimal theater
verbetten [2]
Sinnflut

Kalender

Akteure
Impressum

  Create and Forget [crossing]

Temporäre Installation eines Tunnelssegmets aus Nessel. Angeschlossener Umtrunk mit Frage- / Antwortprotokollierung. Claudia Behling und Ulrich Mattes untersuchen zusammen mit dem Publikum das Begriffspaar Create and Forget ...

Ein Ausdruck ...

Fire and forget ist ein Ausdruck, der für die Kriegsführung mit ferngelenkten Waffensystemen benutzt wird. Ist das Ziel einmal in seinen Koordinaten erfaßt, kann jederzeit gefeuert werden, die Waffe findet dann ihr Ziel "von selbst" und kann "vergessen" werden. Fernlenkwaffen sind der aktuelle technische Endpunkt einer Haltung, die in allen Lebensbereichen waltet.

Im zivilen Leben erstellen wir unsere Koordinatensysteme durch Statistiken, die ihren Anwendern zeigen sollen, was sie wann wohin "abfeuern" können, wie ein Vorhaben seine Zielgruppe findet und zum "Selbstgänger" wird. Dabei soll auch die "softe" Form der Statistik nicht unerwähnt bleiben: die (bisweilen sogar repräsentative) Umfrage, die meist durch ein Multiple Choise Verfahren in einer Auswahl vorformulierter Antworten suggeriert, was am Ende an Daten erhoben werden soll. Die nicht erhobenen Zwischentöne kreativ ausgespart, bleibt dann so manches als "gar nicht existent" auf der Strecke. Die etwas andere Art von "collateral damage" [1]. In besonders kritischer Einstellung kann auch behauptet werden, dass das (mutwillige) Ausblenden von (unerwünschten) Inhalten aus Statistiken und Umfragen einem "friendly fire" [2] gleich kommt.

... eine Einsicht ...

Create and forget könnte der zusammenfassende Ausdruck für den immer unbändiger geförderten Gestaltungswillen heißen, der den neuerlichen Hype der "Kreativität" [3] begleitet. Neue Märkte und neue Zielgruppen: Ja nichts verpassen!

Ist erst eine Zielgruppe erfolgreich ausgemacht und dazu ein Produkt kreiert, das womöglich noch instant gratification garantiert, gibt es kaum noch ein Halten. Der Erfolg rechtfertigt, schädliche Nebenwirkungen auszublenden, oder mutwillig zu vergessen. Unter dem Wachstumsparadigma zählen allein die gelandeten Treffer.

... und ein Vorhaben

Seit Juli 2011 sammeln wir Protokolle über die privaten Randerscheinungen des Kulturbetriebs. Zusammen mit Kulturarbeiter/innen sitzen wir im Grünen und treiben Konversation über das, was zwar zur Arbeit gehört, dort aber keine Erwähnung findet. Überdacht von unserem Tunnelsegment aus Nessel und ausgestattet mit Protokollierungsmaterialien, werden die notierten Gedanken von Ort zu Ort getragen ... eine Vernetzung des Unerwähnten unter der besonderen Betrachtung des Begriffspaars Create and Forget.

Fußnoten


[1] collateral damage (Kollateralschaden / Begleitschaden) bezeichnet am Rande kriegerischer Handlungen entstandene Schäden, die nicht beabsichtigt waren.

[2] friendly fire (Eigenbeschuß) bezeichnet den versehentlichen Beschuß der eigenen oder verbündeten Truppen bei Kriegshandlungen.

[3] Kreativität ist als Ausdruck für künstlerische Handlungen verpönt, da ja potentiell jede eigenständige Leistung "kreativ" ist und eine Differenz zur Kunst im Besonderen nicht gegeben ist. Nachdem 2002 ein gewisser Richard Florida das Buch "The Rise of the Creative Class" verfaßt hat, glaubt weltweit jede Kommune, eine "Kreativagentur" zur Förderung der für den Wettbewerb angeblich unerläßlichen kreativen Klasse einrichten zu müssen. Die Förderung der Kunst (die kaum als "Geschäftsmodell" realisierbar ist), bleibt dabei aber meistens außen vor. Im Fokus dieser Auffassung von "Kreativität" stehen Designer, Internetfirmen, Gamer, denn von ihnen wird angenommen, dass die Förderung bald als Steuern in den Haushalt zurück fließt. Diesen globalen Prozess nennt man auch "Floridarisierung" ...

 

[1] [2] [3] [4] [5] [6] [7] [8] [9] [10] [11] [12] [13] [14] [15

Als wesentlich hat sich am Mittwoch, 21. September an der Wettsteinbrücke das Ritual des Aufbaus der beiden Tunnelsegmente aus Maltuch herausgestellt. Am östlichen Ende des städtischen Rheinstrands gelegen, beginnt hier als Promenadenausläufer eine gastronomiefreie Zone. Ein Teil der heimischen Jugendszene trifft sich hier täglich, aber auch Anwohner_innen nehmen sich den Raum unter der Brücke für Grillfeste und der ansäßige Kinderladen führt hier seine Meerschweinchen Gassi. Im überirdischen Fundament der Brücke ist das Vereinslokal der Fischer untergebracht, die gegen 21 Uhr die Ghettoblaster auf dem Rasen mit Sangeskunst ablösen. Die meisten "externen" Besucher_innen hielten sich aufgrund des 20-minütigen Aufbaus erstmals so lange an diesem Ort auf und waren fasziniert von den drumherum stattfindenden Dynamiken. Insofern hat die Installation als Performance der Abgrenzung den Ort erst ausdrücklich präsentiert. Auch die Jugendszene hat sich - als nunmehr "Parallelveranstaltung" - größte Mühe gegeben, sich szenisch zu produzieren ...

Im Fokus steht zum zweiten Mal die persönliche Haltung gegenüber kulturellen Events und Leistungen. Anhand von 14 "Briefmarken", die in einem Numisblatt zusammengefaßt sind, können die Besucher_innen ihre Standpunkte mittels Textilstiften auf bereitgelegten Handtüchern hinterlassen: Abwasch 2.0 ...



Das Numisblatt für Basel, September 2011

Weitere Geschichten finden Sie unter
www.create-and-forget.org

 


Eine Veranstaltung von Kaskadenkondensator (Basel, CH) in Kooperation mit KiöR e.V. (Hamburg, DE) und Künstler_innen aus der Schweiz